Was ist Fooling?

Kurz und sachlich gesagt ist Fooling eine Theaterform, die von Franki Anderson (UK) entwickelt wurde, um den Archetypen des Narren (Fool) auf die Bühne zu bringen.

 

Aber dieser Satz beschreibt nicht im mindesten, was Fooling wirklich ist. Das wahre Wesen von Fooling ist schwer zu fassen, schwer in wenig Worte zu packen.

 

Fooling ist Alles. Und Nichts.

 

Fooling ist für jeden etwas anderes, denn jeder Mensch ist einzigartig und hat seine ganz eigene Sicht auf die Welt. Ich werde versuchen, dir den – für mich – wichtigsten Aspekt von Fooling zu erklären.

Gerade habe ich ein Interview mit Franki gesehen, indem sie diesen wunderbaren Satz sagt:

 

„Fooling is the activity of being myself“

 

„Fooling ist die Aktivität ich selbst zu sein.“

 

Hm… Klingt gut. Aber was bedeutet das? Ich spüre, wie sich etwas in mir empört: „Naja, das ist doch normal, ich bin doch immer ich selbst!“

 

Ja, stimmt. Aber auch nicht. Denn normalerweise werde ich geleitet, oder, um im Sinne des Theaters zu bleiben, gespielt, von meinen Gefühlen und meinen inneren Anteilen. Sie diktieren mein Tun.

Sie wechseln unmerklich ihre Plätze und der, der gerade vorne steht, hat das Sagen und „spielt mich“.

 

Viele Glaubenssätze der inneren Figuren, die uns bevölkern, besonders die der Beschützerfiguren, stammen noch aus unserer Kindheit.

Sie sind getrieben von dem Wunsch, akzeptiert und gemocht zu werden, in die Gruppe zu passen, nicht aufzufallen.

 

 

Ich gebe dir mal ein kleines Beispiel:

 

Stell dir vor, dein Chef macht dich zur Schnecke. Du bist wütend.

Das ist ein Gefühl, klar. Dieses Gefühl lenkt jetzt dein Tun.


Nun ist es aber dein Chef, mit dem du den Konflikt hast, also kann es sein, dass etwas in dir sagt:

 

„Halt jetzt schön die Füße still. Einfach lächeln und nicken. Stur lächeln und nicken.“

 

Das ist ein innerer Anteil oder auch eine innere Stimme (im Fooling „Voice“ genannt). Jetzt bestimmt diese Voice dein Handeln. Sie ist ganz vorne und verhindert, dass du den Konflikt eskalieren lässt. Sie spielt dich.

 

Wahrscheinlich wird (zumindest ist es bei mir oft so, wenn ich Gefühle in einer Situation nicht leben kann, weil sie aus irgendeinem Grund unpassend sind) die Wut umso stärker zurückkehren, wenn du zuhause bist.

Vielleicht gepaart mit Scham, weil du nicht für dich eingetreten bist. Wieder wirst du gespielt von deinen Gefühlen.

Beim Fooling passiert genau das Gegenteil.

Ich bin immer noch ich, du bist immer noch du.

Aber wir werden nicht mehr von unseren Gefühlen und inneren Stimmen gespielt, sondern spielen bewusst mit unseren Gefühlen und inneren Stimmen.

 

Hier kommt der Narr ins Spiel. Er ist ein Wandler, ein Grenzgänger. Er ist jemand, der innehält und sagt:

 

„Moment, was ist hier denn los?“

 

Er hat die Fähigkeit, in jede der Voices zu schlüpfen, sich jede Maske aufzusetzen, und sie voll und ganz, mit Lust und Inbrunst, auszufüllen und zu spielen. Dann streift er sie wieder ab, kommt lässig an den Bühnenrand geschlendert, und erklärt uns die Situation.

Würde ich mit dem obigen Konflikt auf die Bühne gehen, würde ich zunächst natürlich den Chef spielen.

Dann würde ich mich wahrscheinlich in die Figur der Schnecke begeben, zu der er mich gemacht hat.

 

Ich würde eine Mitarbeiterin spielen, die stinksauer ist, sich wehrt und den

Chef beschimpft. Eine Figur, die versucht den Konflikt zu verhindern,

die sich bemüht, die Mitarbeiterin zu beschwichtigen, sie vom Chef zu trennen. Und vielleicht einen Mediator. Vielleicht würde ich jemanden spielen, der den Chef versteht und sich auf seine Seite stellt. Sicher würden noch andere Gefühle oder innere Stimmen in mir auftauchen.

 

Vielleicht gäbe es eine Voice, die sich in Grund und Boden schämt, dass die Mitarbeiterin ihren Zorn nicht im Griff hat.


Vielleicht eine Figur, die sie anfeuert, weil sie dem Chef das auch schon immer mal alles sagen wollte, sich aber nicht getraut hat.

 

Vielleicht eine, die die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, im Kreis rennt und in einer Tour ruft:

 

„Sie hat es gesagt, sie hat es ihm wirklich gesagt! Wie soll es jetzt nur weitergehen?“

 

All diese Gefühle und Stimmen liegen in dieser unscheinbaren Situation verborgen, und wenn man alle Figuren und Gefühle zusammennimmt, ergibt das mich. Oder dich.

 

Wir alle tragen „Alles“ in uns, aber in unserem Alltag hat nicht alles Platz.

Dabei steckt gerade in den „ungewollten“ Gefühlen und Stimmen jede Menge Energie und Spielfreude!

Im Fooling-Seminar gehen wir auf Entdeckungsreise.

 

Wir lernen die Figuren kennen, die unsere inneren Landschaften bevölkern.

Wir trainieren unsere inneren Sinne, um ihre Stimmen besser wahrnehmen zu können.

Wir spielen ihre Wahrheiten.

Wir entdecken neue Seiten an alten Geschichten.

 

 Wir lernen uns kennen und gut für uns zu sorgen.

 

 

Was ist Fooling?

Fooling ist eine Theaterform, aber Fooling ist noch mehr.

 

Fooling ist ein Weg, dein wahres Selbst kennen zu lernen, und alles was dein wahres Selbst bewusst tut, ist Fooling.